Jetzt ist es also soweit. Selbst das Frankfurter Satiremagazin Titanic macht sich über die Kölner Kultur lustig (und der lustige KSTA macht auch noch mit). Na ja, selber Schuld, viel mehr als Anlaß für Witze gibt die Kölner Kultur wohl gerade nicht her.
Die Fakten: Seit Samstag bietet der KSTA eine online-Abstimmung über vier Entwürfe der Statue für einen bis dahin völlig unbekannten Kulturpreis der Stadt Köln an. Der soll angeblich im April 2010 bei einem Opernball in Köln verliehen werden.
Alles Quatsch, dahinter steckt natürlich das bekannte Satiremagazin. Und die Frankfurter Satiriker übertreffen sich selbst: “Das besondere Highlight des 2. Kölner Opernball wird die Verleihung des Kölner Kulturpreises an einen Opern-Weltstar durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln sein.” Täuschend echt gemacht, so schreibt die PR-Blase üblicherweise.
Titanic hat wirklich keine Mühen gescheut und sogar Fotos der angeblichen Entwürfe gemacht. Bei den erläuternden Texten zu den vier Entwürfen im KSTA hat man vielleicht etwas zu dick aufgetragen. Auf welchen Kölner Opern-Weltstar soll das denn bitte zutreffen ? Marie-Luise Nikuta ? Paul Potts ?
Entwurf Nr.1: Halten der Balance der Kölner Kultur durch den einzigartigen mit einer Kugel symbolisierten Beitrag des Preisträgers
Entwurf Nr.2: Würdigung des einzigartigen Beitrags des Preisträgers zur Rheinstadt Köln durch Vergoldung einer Strömung inmitten anderer kulturellen Strömungen
Entwurf Nr.3: Der jedes Jahr einzigartige individuelle Schlüssel passgenau zur Kölner Kultur symbolisiert den einzigartigen Beitrag des Preisträgers
Entwurf Nr.4: Originalstück des Kölner Doms versehen mit einer Einfassung unterstreicht den einzigartigen Beitrag des Preisträgers zur Kölner Kultur
Dazu liefert Titanic auch noch eine täuschend echt gefälschte Webseite eines angeblichen Kölner Karnevalsvereins, der diesen Kulturpreis der Stadt Köln verleihen würde. Zitat von der Webseite: “Das besondere Highlight: die Verleihung des Kölner Kulturpreises durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln. Unterstützt wird der Opernball vom „Kuratorium Kölner Opernball“ unter dem Vorsitz von Jeane Freifrau von Oppenheim.”
Zweimal klicken, und man erfährt, wer dieses Kuratorium sein soll, das da mal eben den Kulturpreis im Namen der Stadt Köln verleiht:
Vorsitz: Jeane Freifrau von Oppenheim, Ehrenmitglied des Corps à suite der EhrenGarde der Stadt Köln (bekannt durch die Kostüm-Fernsehsitzung)
Stellvertretender Vorsitzender: Prof. Markus Schächter , Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens (ausstrahlender Sender der Kostüm-Fernsehsitzung der EhrenGarde der Stadt Köln)
Helmut Schmidt und Heinz Breidenbach, Initiatoren des Kölner Opernballs und Chef bzw. Vize-Chef des Corps à la suite der EhrenGarde der Stadt Köln.
Das war’s. Die vier verleihen ab 2010 den Kulturpreis der Stadt Köln und OB Roters überreicht ihn in einer Walzerpause?
Liebe Titanic – also wirklich. Netter Versuch und wirklich gut gemacht. Aber habt Ihr wirklich gedacht, jemand nimmt Euch ab, in Köln würde der Kulturpreis der Stadt Köln tatsächlich vom (ehemaligen) Kölner Geldadel und seinen Verbündeten im organisierten Karneval verliehen ? Spätestens wenn der Intendant des Mainzer ZDF da angeblich mitmacht, wird es doch sehr unglaubwürdig. Als ob der sich nach Heidenreich-Land trauen würde.
Und glaubt Ihr tatsächlich, diese Oppenheim-Leute würden ihren Leitanspruch über die Kölner Kultur mit einer Verleihungszeremonie mit Eintrittspreisen zu 300,- und 350,- Euro pro Person manifestieren, OB “Stoppt den Klüngel”-Roters spielt auch mit und die Kölner Kulturszene würde angesichts der angedrohten Kürzungen lieber dazu schweigen? Ha, wir sind hier nicht in Frankfurt!
OK, OK, der Filmpreis Köln wurde versehentlich an Scientologen und Kinderschänder verliehen, aber für wie doof haltet Ihr uns eigentlich ?
Wie, das wart Ihr gar nicht ?
15. November 2009
Kategorien: Allgemeines, Kulturverwaltung, Sonstiges . . Autor: Achim Rohde . Kommentare: Hinterlasse einen Kommentar