Bitte nicht wecken, Presseamt der Stadt Köln bei der Arbeit

Wie heißt noch mal das Museum, das am Wochenende mit viel Trara in Köln eröffnet wurde? Richtig, Rautenstrauch-Joest-Museum.
Und wofür wirbt das städtische Presseamt an genau diesem Wochenende auf den städtischen Werbeflächen?

Nachdem wir im vergangenen Jahr zumindest eine verwaltungsinterne Diskussion um die bis dato total verklüngelte Vergabe der städtischen Werbeflächen erzwingen anstoßen konnten, gehen dem verpennten Presseamt prompt die Themen aus. Am dringendsten war ihnen in dieser Woche der Museumsneueröffnung (80,4 Mio Euro Investition) das hier:


OK, Spitzenkräfte müssen vor allem delegieren können. Aber wer ist eigentlich das arme Kind, dem OB Roters diese Woche die Verantwortung für die gesamte Stadtreinigung angehängt hat? Die muß jetzt die ganze Stadt saubermachen?


Lügen haben lange Beine

Seit einem Jahr berichten wir hier über unseren Ärger mit den gefälschten Besucherzahlen bei subventionierten Veranstaltungen in Köln. Heute hat der KSTA das Thema groß aufgegriffen und zwar erstaunlich tabulos. Sogar die völlig abstrusen Zahlen des Rosenmontagszugs werden plötzlich in Frage gestellt. Kritik am Festkomittee? Respekt, das ist in Köln nicht hoch genug einzuschätzen. Und dass der KSTA sogar unser kritisches Rechenmodell für die Besucherzahl beim Rosenmontagszug übernimmt, macht uns auch ein bisschen stolz.

Das Hochjazzen von Besucherzahlen bei Straßenfesten, Feuerwerksspektakeln und im Karneval hört sich nach harmloser Wichtigtuerei von ein paar Eventmanagern und Karnevalisten an, aber man muß sich dreier Dinge bewußt sein:

1. Die Verwaltung verbreitet gegen besseres Wissen seit Jahren  diese gelogenen Jubelzahlen. Wer dabei nicht mitmacht, gilt dann wie wir als Nestbeschmutzer. Wer mitmacht, wird in das Kölner Klüngelsystem integriert, die anderen werden abgestraft und rundum ausgegrenzt: Keine städtischen Werbemittel mehr, abwertende Bemerkungen beim Ministerium und bei Kunden. Genau hier fängt für uns die Korrumpierbarkeit des “System Köln” schon an.

2. Schwindelveranstaltungen wie die Cologne Conference zeigen die Folgen dieses systematischen Betruges. Statt der von Veranstalter und der Stadt Köln wider besseres Wissen verbreiteten Zahl von über 8.000 Besuchern gab es z.B. im Jahr 2009 tatsächlich wohl nicht mal 2.000 Besucher.

Ginge es nur um das Ego der Macher, könnte man darüber schmunzeln. Aber mit den grotesk zusammengeschwindelten 8.000 Besuchern konnte man der Politik in Stadt und Land über Jahre jährlich über 300.000,- Euro öffentliche Mittel abpressen (das ist war die Hälfte des gesamten Kölner Filmetats) und vor allem alle anderen Ansätze im Filmbereich verhindern: “Diese erfolgreiche Veranstaltung darf nicht unterminiert werden. Entweder Ihr geht unter das Dach der Cologne Conference oder Ihr bekommt keine städtische Unterstützung” ist ja eine klare Ansage.

Die Folge ist, daß Köln bis heute kein vernünftiges Filmfestival hat, dafür aber eine mafiöse Struktur von städtisch alimentierten Pseudo-Filmveranstaltern, die sich in Podiumsdiskussionen gegenseitig ihre Unverzichtbarkeit bescheinigen und der Verwaltung, das sie alles richtig macht. Die Politiker gehen mal gerade zur Eröffnung und können diese Verbandelung natürlich nicht durchschauen.

So erklärt sich auch der Stillstand in der Kölner Kultur. Die Verwaltung herrscht durch den Mangel und alles greift so schön bequem ineinander. In dieser speziellen Unterform des Klüngels muß nicht mal Geld fließen, hier besteht der Vorteil darin, sich gegenseitig den Rücken freizuhalten und der Verwaltung  zusätzliche Arbeit zu vermeiden. Das Prinzip findet sich seit Jahren dann auch bei Veranstaltungen wie Ringfest, Popkomm (eigentlich alles von Dieter Gorny), Plan, dem Frauenfilmfestival, Impulse und vielen anderen Veranstaltungen, die mit Duldung der zuständigen Stadtmitarbeiter mit geschönten Besucherzahlen die Politik und die Öffentlichkeit von einer Diskussion über ihre wahre Wertigkeit abhalten. Nach einer gut besuchten Eröffnung mit Buffet folgt aber allzu oft nur noch gähnende Leere und am Ende erfundene Jubelzahlen, um im nächsten Jahr wieder Geld zu bekommen. Und wenn mal jemand wie wir Zweifel an der Quantität der Besucher äußert, schwafelt die Verwaltung eben von der “Qualität der Besucher”. Für die Veranstalter ist das wie ein Perpetuum Mobile, in Wirklichkeit aber leider angetrieben mit dem Steuergeld der Kölner Unternehmen wie unserem.

3. Richtig finster wird es dann, wenn diese subventionierten Veranstalter auch noch mit Dumpingpreisen in den Wettbewerb zu normalen Firmen treten und dann von der Stadt Köln auch noch bevorzugt werden. Auch da haben wir ein paar schöne Beispiele, aber das ist ein ganz eigenes Thema. Demnächst dazu gerne mehr.

Wir verabschieden uns damit erst mal aus der von uns angestoßenen Diskussion, “mission accomplished”.

Wenn der Oberbürgermeister und die Politik auch zukünftig, nachdem das Schwindelsystem sogar vom KSTA öffentlich gemacht wurde, weiter mitspielen, muß man sie wohl weder mit Fakten noch mit Argumenten weiter belästigen. Dann wird Köln weiter auf der Stelle treten und sich gemütlich im Sumpf seiner Gefälligkeits-Klüngelei suhlen. Ob sich was ändert ? Der Oberbürgermeister hat gewechselt, der Klüngel ist der Gleiche geblieben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, gerade in Köln am Rhein. Aber wenn der Oberbürgermeister schon jetzt Kritik an der anscheinend zwanghaften und teuren Auslandsdarstellung der Stadt Köln mit den Roten Funken und den Höhnern als “kleinkariert” zurückweist, kann man in Köln das Thema “Aufräumen” wohl erstmal abhaken.

Köln, Hauptstadt der toten Pferde

Das Ende der Subventionen ist in Sicht. Bis zu 20 % sollen die subventionierten Kulturveranstaltungen in Köln in diesem Jahr schon einsparen. Politische Beschlüsse dazu gibt es nicht, die Verwaltung spart einfach mal so herum, denn nie konnte man mißliebige Projekte so leicht ausknipsen wie heute. Was dann im nächsten Jahr an weiteren Kürzungen kommt, weiß noch keiner. Jetzt wäre die Gelegenheit, das Portfolio zu ordnen und Prioritäten zu setzen, sich von seit Jahren erfolglosen, besucherfreien Veranstaltungen zu trennen. Geht das in Köln?

Wie gehen andere Völker damit um?

Eine uralte Weisheit der Dakota-Indianer besagt:

“Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.”

Hallo? Diese Einstellung ist geprägt von Resignation und Passivität und damit kein Vorbild für Köln. Na ja, und was verstehen Indianer auch schon von Pferden?
Da sind wir in Köln weiter. Unser hochqualifiziertes Führungspersonal in der kommunalen Verwaltung hat für derartige Situationen zahlreiche erfolgsorientierte Strategien und zielführende Methoden entwickelt:

  • Pressemitteilung rausgeben: “So haben wir das Pferd doch immer geritten.”
  • Man setzt den Reiter um und schreibt die Stelle verwaltungsintern aus.
  • Man schreibt die Stelle des Reiters des toten Pferdes bundesweit aus, nachdem sich aus dem eigenen Haus kein qualifizierter Bewerber gefunden hat.
  • Man beruft einen ämterübergreifenden Arbeitskreis, um das tote Pferd zu analysieren.
  • Man besucht andere Verwaltungen in ganz Europa, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  • Man stellt fest, dass die anderen auch tote Pferde reiten und erklärt dies zum Normalzustand.
  • Man startet einen Ideenwettbewerb / Workshop zum Reiten toter Pferde.
  • Man beauftragt eine schweineteure Beratungsfirma mit einem Gutachten, ob es billigere und leistungsfähigere tote Pferde gibt.
  • Man bildet innerhalb der Verwaltung ein neues Sachgebiet mit Integration aller toten Pferde, um Synergieeffekte zu nutzen.
  • Man überlegt die Gründung einer kommunalen GmbH für tote Pferde, nachdem die Einrichtung eines Eigenbetriebes keinen Erfolg brachte.
  • Man sucht einen finanzstarken Partner aus der Privatindustrie und gründen zusammen mit dessen toten Pferden ein Public-Private-Partnership-Projekt.
  • Man tauscht das tote Pferd gegen eine tote Kuh aus.

So werden wir mit Hilfe der göttlichen Verwaltung in Köln die Krise sicher überwinden. Und wenn nicht, erhöht man halt die Steuern. OB Abriß-Roters läuft sich schon mal warm.

Danke

Man muß nicht alles selber machen und deshalb bedanken wir uns herzlich für das Mottolied “Ihr seid Künstler und wir nicht”.

Wir hätten es nicht besser sagen können.

Comedypreis 2010

RTL hat gestern den Comedypreis 2009 noch einmal zur Primetime ausgestrahlt und damit am Abend den Tagessieg in der Zielgruppe verbucht. Noch einmal sahen  fast 3 Millionen Zuschauer zu. Damit ist der Deutsche Comedypreis wieder mit Abstand die meistgesehene Preisverleihung im deutschen Fernsehen.

In den nächsten Tagen entscheidet die Stadt Köln, für welche Medienveranstaltung sie im Oktober 2010 ihre kostenvergünstigte städtische Plakatkampagne bereitstellt.

Die Kandidaten:

1. Cologne Conference (größter Besucherschwindel des Jahres 2009)

2. Deutscher Fernsehpreis (größter TV-Flop des Jahres 2009 mit 1,34 Mio Fernsehzuschauer)

3. Deutscher Comedypreis (insgesamt 7,34 Mio Fernsehzuschauer)

Wie sagte OB Roters: “Die Entscheidungen der Stadtverwaltungen müssen transparent, nachvollziehbar und nach sachlichen Kriterien fallen.”

Das finden wir auch. Allein, uns fehlt der Glaube. Na, dann zünden wir mal ein paar hundert Kerzen im Dom an, auf daß uns der Geist der Einsicht in die Weisheit der Verwaltung erscheine. Oder ein Angebot aus einer anderen Stadt.

12.300 mal Comedy-Clips abgerufen

12.300 mal wurden die Videoclips unserer Comedians im September und Oktober auf koeln-comedy.de abgerufen, bereitgestellt von iBird. Für das nächste Jahr planen wir,  über QR-Codes direkt vom gedruckten Programmheft auf die Internet-Clips zu verlinken. iPhone-Nutzer und Japaner kennen das schon. Mal sehen, ob wir das hinkriegen.

Noch eine Zahl: Seit 7 Monaten warten wir nun darauf, vom städtischen Kulturamt zu erfahren, ob und falls ja, es Kriterien für die Förderung von Filmfestivals in Köln geben könnte. Sollte die Frage, ob man genug wichtige Leute kennt, tatsächlich das einzige Kriterium sein?

Frisch gelernt: Im deutschen Mehrwertsteuerrechts gilt als Grundsatz, dass der Steuersatz der Hauptleistung den Steuersatz der Nebenleistung vorgibt. Zahlt ein Beamter, der auf der Arbeit schläft, dann nach der Steuersenkung für Hotelübernachtungen zukünftig auch verminderte Umsatzsteuer anstatt Lohnsteuer? Da wäre ja der Kämmerer-Vorschlag einer Kurtaxe auf Übernachtungen in Kölner Hotels quasi ein Steuersenkungsprogramm für Kulturbeamte.

Darf Satire alles ? Das Satiremagazin Titanic läßt Karnevalsverein angeblichen Kulturpreis der Stadt Köln verleihen

Jetzt ist es also soweit. Selbst das Frankfurter Satiremagazin Titanic macht sich über die Kölner Kultur lustig (und der lustige KSTA macht auch noch mit). Na ja, selber Schuld, viel mehr als Anlaß für Witze gibt die Kölner Kultur wohl gerade nicht her.

Die Fakten: Seit Samstag bietet der KSTA eine online-Abstimmung über vier Entwürfe der Statue für einen bis dahin völlig unbekannten Kulturpreis der Stadt Köln an. Der soll angeblich im April 2010 bei einem Opernball in Köln verliehen werden.

Alles Quatsch, dahinter steckt natürlich das bekannte Satiremagazin. Und die Frankfurter Satiriker übertreffen sich selbst: “Das besondere Highlight des 2. Kölner Opernball wird die Verleihung des Kölner Kulturpreises an einen Opern-Weltstar durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln sein.” Täuschend echt gemacht, so schreibt die PR-Blase üblicherweise.

Titanic hat wirklich keine Mühen gescheut und sogar Fotos der angeblichen Entwürfe gemacht. Bei den erläuternden Texten zu den vier Entwürfen im KSTA hat man vielleicht etwas zu dick aufgetragen. Auf welchen Kölner Opern-Weltstar soll das denn bitte zutreffen ? Marie-Luise Nikuta ? Paul Potts ?

Entwurf Nr.1: Halten der Balance der Kölner Kultur durch den einzigartigen mit einer Kugel symbolisierten Beitrag des Preisträgers

Entwurf Nr.2: Würdigung des einzigartigen Beitrags des Preisträgers zur Rheinstadt Köln durch Vergoldung einer Strömung inmitten anderer kulturellen Strömungen

Entwurf Nr.3: Der jedes Jahr einzigartige individuelle Schlüssel passgenau zur Kölner Kultur symbolisiert den einzigartigen Beitrag des Preisträgers

Entwurf Nr.4: Originalstück des Kölner Doms versehen mit einer Einfassung unterstreicht den einzigartigen Beitrag des Preisträgers zur Kölner Kultur

Dazu liefert Titanic auch noch eine täuschend echt gefälschte Webseite eines angeblichen Kölner Karnevalsvereins, der diesen Kulturpreis der Stadt Köln verleihen würde. Zitat von der Webseite: “Das besondere Highlight: die Verleihung des Kölner Kulturpreises durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln. Unterstützt wird der Opernball vom „Kuratorium Kölner Opernball“ unter dem Vorsitz von Jeane Freifrau von Oppenheim.”

Zweimal klicken, und man erfährt, wer dieses Kuratorium sein soll, das da mal eben den Kulturpreis im Namen der Stadt Köln verleiht:

Vorsitz: Jeane Freifrau von Oppenheim, Ehrenmitglied des Corps à suite der EhrenGarde der Stadt Köln (bekannt durch die Kostüm-Fernsehsitzung)

Stellvertretender Vorsitzender: Prof. Markus Schächter , Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens (ausstrahlender Sender der Kostüm-Fernsehsitzung der EhrenGarde der Stadt Köln)

Helmut Schmidt und Heinz Breidenbach, Initiatoren des Kölner Opernballs und Chef bzw. Vize-Chef des Corps à la suite der EhrenGarde der Stadt Köln.

Das war’s. Die vier verleihen ab 2010 den Kulturpreis der Stadt Köln und OB Roters überreicht ihn in einer Walzerpause?

Liebe Titanic – also wirklich. Netter Versuch und wirklich gut gemacht. Aber habt Ihr wirklich gedacht, jemand nimmt Euch ab, in Köln würde der Kulturpreis der Stadt Köln tatsächlich vom (ehemaligen) Kölner Geldadel und seinen Verbündeten im organisierten Karneval verliehen ? Spätestens wenn der Intendant des Mainzer ZDF da angeblich mitmacht, wird es doch sehr unglaubwürdig. Als ob der sich nach Heidenreich-Land trauen würde.

Und glaubt Ihr tatsächlich, diese Oppenheim-Leute würden ihren Leitanspruch über die Kölner Kultur mit einer Verleihungszeremonie mit Eintrittspreisen zu 300,- und 350,- Euro pro Person manifestieren, OB “Stoppt den Klüngel”-Roters spielt auch mit und die Kölner Kulturszene würde angesichts der angedrohten Kürzungen lieber dazu schweigen? Ha, wir sind hier nicht in Frankfurt!

OK, OK, der Filmpreis Köln wurde versehentlich an Scientologen und Kinderschänder verliehen, aber für wie doof haltet Ihr uns eigentlich ?

Wie, das wart Ihr gar nicht ?

Eventstadt Köln, nächster Versuch

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Also auf geht’s: Im nächsten Jahr feiern wir das 20. Köln Comedy Festival und die 10. TV-Gala zum Deutschen Comedypreis. Beides wichtige Veranstaltungen für den Medienstandort Köln, der ja vom Fernsehen und besonders der Unterhaltung geprägt ist. Und Köln Comedy ist erfolgreich, im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, die von der Stadt Köln als Standort-Highlights massiv subventioniert und beworben werden.

Aber nachdem nun die Scheinwelt der Cologne Conference (auch 2009 maximal 2.500 statt der offiziell behaupteten 8.000 Besucher) und das Desaster des deutschen Fernsehpreises (nur noch 1,3 Mio Zuschauer / 5,2 % Marktanteil) sichtbar wurden, könnte es ja sein, daß die Stadt Köln die Vergabe ihrer kostenvergünstigten Werbeflächen vielleicht mal überprüft und Interessenten außerhalb des üblichen Geklüngels berücksichtigt?

Der neue OB kündigte an, alte „Klüngelmuster“ auflösen zu wollen: „Der Mehltau, der auf Köln lastet, der mit dem Begriff »Klüngel« belegt ist, dieser Mehltau muss weg.“ Verwaltung und städtische Unternehmen müssten sich „kompromisslos den Grundsätzen von Fachlichkeit, Leistungsorientierung und Unabhängigkeit“ verpflichten. (Zitate lt KSTA 30.10.2009)

Wir haben also in aller Bescheidenheit mal wieder eine Anfrage gestellt und heute kam die Antwort: Die Zuständigen fühlen sich nicht zuständig und leiten unsere Anfrage weiter. Jetzt liegt sie in den Händen der Stabsstelle Medien, der seit Jahren die massiv geschönten Besucherzahlen der Cologne Conference nicht aufgefallen sind. Könnte es kompetentere Entscheider geben?

Wir sind ja sooo gespannt, wie die Entscheidung ausfallen wird. Stay tuned.

Wie der Nobelpreis die Kölner Filmszene retten kann

Elinor Ostrom ist die erste Frau, die den Nobelpreis für Wirtschaft erhält. Aus gutem Grund: Die US-Forscherin ist der Frage nachgegangen, wie sich knappe Ressourcen am besten verteilen lassen – eines der drängendsten Probleme unserer Zeit.

Wir gratulieren. Und wir finden, daß sich das auch ganz wunderbar auf die Verteilung der knappen Ressource “Geld für Filmfestivals” in Köln anwenden ließe.

Spiegel online faßt sehr schön zusammen, was das Besondere an Frau Ostroms Arbeit ist. Hier der vollständige Artikel.

Elonor Ostrom erforscht, wie gemeinschaftliches Eigentum erfolgreich verwaltet werden kann.

Sie denkt dabei eher an Waren, wir denken mal an Zuschüsse.

Eigennutz oder Gemeinnutz

Die Grundproblematik lässt sich am Problem der Überfischung schön darlegen: Zwar ist jedem Fischer, der halbwegs bei Sinnen ist, bewusst, dass er durch Überfischung seinen eigenen Job vernichten wird. Trotzdem handelt er rational, wenn er mit möglichst vielen Booten aufs Meer fährt. Denn was er heute nicht im Netz hat, holt sich eben die Konkurrenz.

Mit anderen Worten: Es ist für jeden Einzelnen rational, wenn er aus Sicht der Gemeinschaft irrational handelt. Zumindest dann, wenn es kein klares Regelwerk gibt. Ostrom leitet daraus eine Gesetzmäßigkeit ab, die z.B. auch bei der Suche nach wirksamen Mechanismen gegen den Klimawandel zu beobachten sei: Schade deiner eigenen Wirtschaft nicht durch Regeln, an die sich die anderen nicht halten. Aber wenn jeder an sich selbst denkt, ist eben doch nicht an alle gedacht. Das mag im Ansatz die schwach ausgeprägte Solidarität der Kölner Veranstalter erklären.

Klare Regeln definieren

Ostrom hat daraus Erkenntnisse herausgearbeitet – unter anderen müssen alle Betroffenen bei der Festlegung der Regeln mitwirken, die Vereinbarungen müssen klar sein, ihre Einhaltung muss überwacht und Fehlverhalten sanktioniert werden – ist also das prämierte Ergebnis umfangreicher Feldforschung, nicht nur professoraler Thesen aus dem Elfenbeinturm.

Betroffene integrieren

Wie sich das Dilemma der Überfischung lösen lässt, sieht man anscheinend in der Türkei: In Antalya haben Fischer eine Art Kooperative gegründet, in der jeder einen bestimmten Meeresabschnitt zugeteilt bekommt. Weil die Bereiche unterschiedlich attraktiv sind, rotieren die jeweiligen Seegebiete zwischen den Betroffenen. So bekommt jeder eine faire Chance – und gleichzeitig werden alle Fischer von ihren Konkurrenten überwacht.

Ostrom ist in ihrer Forschung zu der Erkenntnis gekommen, dass die betroffenen Menschen oft selbst die besten Lösungen für ihre Probleme finden. Weder der lenkende Staat noch der pragmatische Markt – wie es viele ihrer Kollegen Wirtschaftstheoretiker behaupten – führen in der Regel zu den besten Ergebnissen.

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So, da ist alles drin, was wir bei der Finanzierung der Kölner Filmfestivals als Fehlentwicklung anprangern:

- zwanghaft irrationales Verhalten Einzelner  wie z.B. massiv geschönte Besucherzahlen

- dirigistischer Eingriff der Bürokratie in Märkte zwecks Machterhalt statt mit Lösungszielen zugunsten aller

- fehlende Regeln und beliebig wechselnde Kriterien der Verwaltung

- Beteiligung der Betroffenen bringt bessere Lösungen

- Ausgleich z.b. durch Rotation schafft faire Bedingungen

Frau Ostrom kriegt dafür den Nobelpreis, wir kriegen den Ärger. So hat jeder was. Viva Colonia!

Liebling, sie haben die Cologne Conference geschrumpft

Mit über 300.000,- Euro subventioniert, von Stadt Köln und Land NRW politisch massiv protegiert, bezeichnet sich die Cologne Conference als das “weltweit publikumsstärkste Fernsehfestival” und rühmte sich in ihrem Abschlußstatement, auch 2009 wieder 8.000 Besucher gehabt zu haben. Schön wär’s.

Tatsächlich ist die Cologne Conference aber ein Scheinriese.

Denn wir haben bei der Cologne Conference 2009 Besucherforschung betrieben. Und wir haben gestaunt. Mal 5 Besucher, mal 7, 12, 35, in Sälen mit fast 300 Sitzplätzen. Die Kultnacht – null Besucher. Die tatsächliche Besucherzahl in allen Kinosälen reicht nur mit Wohlwollen an 2.500 heran, die Auslastung liegt bei maximal 30 % der behaupteten 8.000 Besucher.

Wenn es nur um die Eitelkeit der Macher ginge, könnte man das als übersteigerte Allmachtsphantasien abhaken.

Aber es geht um viel Geld (die Cologne Conference erhält alleine mehr städtische Zuschüsse als alle anderen Filmfestivals in Köln zusammen) und um Politik.

Die Kölner Stadtverwaltung monopolisiert nämlich die Cologne Conference wie weiland die Esch-Fonds und verhindert neue, publikumsbezogene Filmfestivals mit Hinweis auf den großen Erfolg der Cologne Conference. Den Schaden von dieser blinden Monopolisierung ohne jede Kontrolle haben auch hier wieder die Kölner Bürger und die Steuerzahler.

Einschub: Der ehemalige CDU-Bürgermeister Josef Müller soll in den Jahren 2001 bis 2003 von einer Tochtergesellschaft der Sparkasse Düsseldorf insgesamt 300.000,- Euro erhalten haben, ohne das dafür eine praktische Gegenleistung erfolgt sein soll. Großer Skandal, Müller weg.

Die Cologne Conference erhält dagegen jedes Jahr 300.000,- Euro und die Gegenleistung scheint ähnlich dürftig zu sein: Bestenfalls 2.500 Besucher in den Kinos macht 120,- Euro Zuschuß pro Besucher. Oder so: 300.000,- Euro Zuschuß bei geschätzten Programmkosten von 25.000,- Euro für 50 Filme. Der Rest finanziert aus Steuermitteln hauptsächlich einen Apparat, der sich selbst schon für ein Gottesgeschenk für den Standort Köln hält und sogar mit Abwanderung droht. Festivals ohne Besucher werden ja auch überall ganz dringend gesucht.

Die Kölner Kultur steht vor den größten Kürzungen im Kulturbereich der letzten Jahrzehnte und die Verteilung von Fördergeldern im Jahr 2010 wird zur “Reise nach Jerusalem”: Den Letzten beißen die Hunde. Es scheint dringend angebracht, den politischen Entscheidern neben diffusen Scheinargumenten zur Wichtigkeit der Filmfestivals wie Cologne Conference, Frauenfilmfestival oder Unlimited auch Fakten zu liefern, bevor der Eine gegen den Anderen abgewogen werden muß.

Nicht einmal “dä längste Desch vun Kölle” schönt seine Besucherzahlen auf das Dreifache, das wäre sogar denen zu peinlich. Die Cologne Conference scheint sich durch ihre Kungelei mit der Stadtverwaltung für unantastbar und die Kölner für zu blöd zum Zählen zu halten.

Aber Josef Müller ist ja auch schon wieder da.

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