Am Mittwoch zeigen wir im Kölner Filmhaus die Premiere des Dokumentarfilms “This prison where I Live”. Es ist keine Komödie, warum also ist der Film im Festivalprogramm?
“This prison where I Live” ist ein Film über zwei Comedians: Maung Thura, besser bekannt als Zarganar, ist Burmas größter lebender Comedian. Vom burmesischen Militärregime gnadenlos verfolgt, sitzt er derzeit im Gefängnis. Michael Mittermeier auf der anderen Seite ist frei darin, seine Kunst auszuüben, und mit seinem speziellen Humor und seinen Provokationen einer von Deutschlands größten Comedians.
Zwei Männer, durch Comedy verbunden, durch Unterdrückung getrennt.
Die Geschichte des Films beginnt in 2007, als Zarganar einwilligt, dem britischen Dokumentarfilmer Rex Bloomstein – trotz strengstem Verbots seitens des Regimes und obwohl er fünf Jahre in Einzelhaft verbrachte – ein Interview zu geben. Zarganar spricht zwei Tage lang mit Bloomstein. In seiner Wohnung, auf den Strassen Ranguns und in einem Theater, in dem Kollegen ein Stück einproben, an dem er selbst nicht partizipieren darf. Material entsteht, das so noch nie zuvor gefilmt oder gesendet wurde.
Doch noch während Bloomstein im Anschluss an die Reise versucht, Produzenten für eine umfassende Dokumentation über Zarganar zu begeistern, wird dieser im Zuge seines Engagements während der “Saffron-Revolution” und aufgrund seines öffentlichen Eintretens zugunsten der Opfer des verheerenden Zyklons Nargis erneut verhaftet und aufgrund irrwitzer Anschuldigungen zu 59 Jahren Haft verurteilt.
In Freiheit, doch ebenfalls notorisch aufsässig und gerne an Tabus rüttelnd, hat Michael Mittermeier die Stand-Up Comedy im deutschsprachigen Raum salonfähig gemacht. Nachdem er von Zarganar hörte, hat er sich spontan mit Rex Bloomstein zusammengetan, um gemeinsam einen Film über einen einzigartigen Menschen zu machen und damit zu tun, was diesem Mann versagt wird: zur Welt zu sprechen. Gemeinsam fahren sie mit einem kleinen Team nach Burma, um “undercover” und unter gehörigem Risiko Zarganars Spuren zu folgen, und mit Gefolgsleuten, Freunden und seiner Familie zu sprechen.
“This Prison Where I Live” ist ein Dokumentar-Spielfilm und die Geschichte von Michael Mittermeiers Versuch, die Persönlichkeit, die Motivation und das Talent eines Mannes zu erkunden, der sich selbst als “Lautsprecher seiner Leute” beschreibt. Der deutschen Vergangenheit sowohl im dritten Reich als auch in der DDR gewährtig, schärft diese Reise Mittermeiers Bewußtsein über die Freiheit der Rede und der Kunst und zeigt die politische und gesellschaftliche Dimension von Humor und Satire.
Zarganar ist ein Mensch, der nicht den Weg des bewaffneten Widerstands gewählt hat, sondern ein Künstler dessen Waffen Filme, Bücher, Poesie und Komik sind. Michael Mittermeier besucht seine Stationen, sein Appartment, die Stadt, die Bühne auf der seine Stücke liefen. Aber als Michael und Rex wie geplant mit den Weggenossen Zarganars sprechen wollen, stossen sie auf ein Klima der Angst und der Furcht vor Unterdrückung. Sie beschliessen nun, so nah wie möglich an das Gefängnis im Norden des Landes zu kommen, in dem Zarganar eingesperrt ist …
Ein beeindruckender Film über Mut, Menschlichkeit, die Kraft des Humors und die Verbindung zweier Menschen, die sich noch nie gesehen haben, und sich dennoch nahe gekommen sind.
Wir haben Michael Mittermeier eingeladen, den Film in Köln während des Festivals zu zeigen, weil wir seit Gründung des Festivals bemüht sind, mit diesem Festival mehr zu verbreiten als professionelle Unterhaltung.
Comedy ist auch eine Haltung und Comedians, die ihren Beruf mit Rückgrat betreiben wie Michael Mittermeier, verdienen alle Unterstützung, die ein Festival wie wir ihnen geben kann.
“This prison where I live” Deutschland, Großbritannien 2010 Regie: Rex Bloomstein
Mi 13. Okt 20:00 im Kölner Filmhaus / Maybachstr. 111 / 50670 Köln
Tickets: 7,50 € (Tickets über off-Ticket und im Kölner Filmhaus)
Alle Erlöse aus der Vorführung von “This prison where I live” gehen über Amnesty International an die Stiftung, die um die Freilassung von Zagarnar kämpft. Es gibt deshalb keine Gästekarten.
11. Oktober 2010
Kategorien: Allgemeines, Film-Festival, Live-Festival, Sonstiges . . Autor: Achim Rohde . Kommentare: 2 Kommentare